Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber

Der Kamelreiter, der am Horizont der Hochebene die Spitzen der Wolkenkratzer, die Radarantennen, die flatternden weißroten Windsäcke und die rauchenden Schlote auftauchen sieht, denkt an ein Schiff, er weiß, dass es eine Stadt ist, aber er denkt sie sich wie ein großes Wasserfahrzeug, das ihn aus der Wüste fortbringt, ein Segelschiff, das gleich ablegen wird, während der Wind bereits die noch nicht losgebundenen Segel bläht, oder ein Dampfschiff mit vibrierendem Kessel im eisernen Rumpf, und er denkt an all die Häfen, an die Waren aus Übersee, die von den Kränen auf den Docks entladen werden, an die Tavernen, in denen Crews aus verschiedenen Ländern einander Flaschen auf den Schädeln zerbrechen, an die erleuchteten Fenster im Erdgeschoß, jedes mit einer Frau darin, die sich kämmt.

Im Dunst der Küste unterscheidet der Seemann die Form eines Kamelhöckers, eines mit glitzernden Fransen verzierten Sattels zwischen zwei gefleckten Buckeln, die schwankend näher kommen, er weiß, dass es eine Stadt ist, aber er denkt sie sich wie ein Kamel, von dessen Tragsattel Schläuche und Doppelsäcke mit kandierten Früchten, Dattelwein, Tabakblättern hängen, und er sieht sich schon an der Spitze einer langen Karawane, die ihn aus der Meereswüste fortbringt zu Süßwasseroasen im gestreiften Schatten der Palmen, zu Palästen mit dicken Kalkmauern und gekachelten Höfen, in denen Tänzerinnen barfuß tanzen und die Arme mal unter, mal über dem Schleier bewegen.

Italo Calvino

Kategorien: Uncategorized

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.